Rückenwind für Riester - auch dank Wohn-Riester

Rückenwind für Riester – auch dank Wohn-Riester

Veröffentlicht am 24. Oktober 2017 von Axel Guthmann

Altersarmut, Versorgungslücke, Grundsicherung im Alter – die Liste der Sorgenthemen, mit denen die allermeisten Menschen lieber nichts zu tun haben wollen, ist lang. Auch „Riester“, die vor 15 Jahren als Antwort auf Einschränkungen bei der gesetzlichen Rente eingeführte private Altersvorsorgeförderung, galt vielen schon als Kandidat für den Wettbewerb “Wie bringe ich die gute Stimmung eines geselligen Abends schnellstmöglich auf den Nullpunkt?“ Doch langsam scheint „Riester“ wieder ein positiv besetzter Begriff zu werden. Aus guten Gründen.

Politik hält an Riester fest

Erstens: Die Große Koalition hat mit ihrer Entscheidung Ende der letzten Legislaturperiode, parallel zur betrieblichen Altersvorsorge auch die private Altersvorsorge zu stärken, ein klares Signal gesetzt, dass sie an der Förderung der kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge als gleichberechtigter Säule festhalten will. Das war richtig und wichtig. Nicht nur wegen der verbesserten Grundzulage, die jedem einzelnen Vorsorgesparer demnächst zugute kommt (sie erhöht sich ab 2018 von 154 auf 175 Euro), sondern auch, weil damit den Spekulationen über grundlegende Veränderungen des Rahmens der privaten Altersvorsorge ein Ende gesetzt wurde. Auch die neue Regierungskoalition ist klug beraten, wenn sie beim Formulieren von neuen Zielen das Erreichte weiterentwickelt (zum Beispiel in Richtung Vereinfachung), statt es in Frage zu stellen. Und das bisher Erreichte kann sich sehen lassen: 16,5 Millionen Riester-Verträge existieren in Deutschland.

Wohn-Riester ist ein Erfolgsmodell

Zweitens: Mit Einführung von Wohn-Riester im Jahr 2008 wurde die Akzeptanz von Riester insgesamt gestärkt. Denn seither ist es möglich, die private Altersvorsorgeförderung auch für die beliebteste Form der privaten Altersvorsorge zu nutzen, die selbstgenutzte Immobilie. Die Eigenheimrente, meist kurz „Wohn-Riester“ genannt, ist ein Erfolgsmodell: Seit ihrer Einführung weist sie im Vergleich zu den übrigen Riester-geförderten Produkten wie Versicherungs-, Bankspar- und Investmentfondsverträgen die höchsten Wachstumsraten auf. Nach den amtlichen Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) beläuft sich der Bestand an Wohn-Riester-Verträgen aktuell auf 1,74 Millionen.

Wohn-Riester bekommt im Übrigen regelmäßig Bestnoten von Verbraucherschutzseite. So auch im aktuellen Heft 11/2017 von Finanztest. In einem Produktvergleich für drei verschiedene Modellvarianten (I: Bau oder Kauf in sieben Jahren, II: Bau oder Kauf in 10 Jahren, III: Bau oder Kauf in 10 Jahren für Sparer mit niedrigem Einkommen) gehören die Angebote von Landesbausparkassen (LBS) zu den Spitzenreitern. Insgesamt urteilt Finanztest: Ein Riester-Bausparvertrag bleibt erste Wahl für Sparer, die mittel- bis langfristig in die eigenen vier Wände ziehen wollen. Besonders betont wird von Finanztest der Aspekt der Zinssicherheit: „Der Zinssatz für das Bauspardarlehen von meist 2,0 bis 2,5 Prozent ist garantiert – auch wenn der Bausparer sein Darlehen erst in zehn Jahren abruft und die Zinsen am Kapitalmarkt bis dahin dreimal so hoch sein sollten. Keine andere Sparform bietet diese Sicherheit.“

Fakten statt Vorurteile

Drittens: Die Kritik an Riester basierte im Wesentlichen auf Vorurteilen. So wurde oft die These verbreitet, die Förderung begünstige vor allem Besserverdienende. Richtig ist, dass Riester gerade Geringverdienern die höchsten Sparanreize bietet. Denn die Förderlogik ist so angelegt, dass Beschäftigte mit niedrigen Einkommen und mit Kindern durch die staatlichen Zulagen besonders hohe Förderquoten auf die von ihnen zu zahlenden (geringen) Eigenbeiträge erhalten. Wenn im Ergebnis diese „Zielgruppe“ immer noch zu wenig „riestert“, muss man fragen, wie diese Menschen noch besser erreicht werden können, darf aber nicht behaupten, die Besserverdienenden würden bevorzugt. Ein weiterer Klassiker aus der Liste der Vorurteile: Riester-Verträge bieten eine zu geringe Rendite. Dazu muss man sagen: Riester kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass die langfristigen Kapitalmarktzinsen von der Europäischen Zentralbank an die Null-Prozent-Linie gedrückt wurden. Kein privates Vorsorgeprodukt, auch kein staatliches, kann sich auf Dauer gegen einen solchen Global-Trend stemmen. Dass mit Riester-Produkten darüber hinaus auch andere Risiken abgedeckt werden, sei hier nur am Rande erwähnt.

Mein Fazit

In der Vergangenheit gehörte Kritikpunkte an „Riester“ waren entweder gar nicht Riester-spezifisch (angeblich zu geringe Verzinsung) oder resultierten aus einem Nicht-Verstehen(-Wollen) der Funktionsweise der staatlichen Altersvorsorgeförderung (angeblich Besserverdiener im Vorteil). Deshalb ist es gut, dass die Politik die Riester-Förderung mit der Erhöhung der Grundzulage ab 2018 gestärkt hat. Auch war es grundsätzlich richtig, mit der Eigenheimrente die selbstgenutzte Immobilie in die Altersvorsorgeförderung einzubeziehen. Und: Wohn-Riester leistet einen wichtigen Beitrag zur Akzeptanz der privaten Altersvorsorge und bekommt zu Recht Unterstützung von Verbraucherschutzseite.

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